Im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts erlebte die Blockflöte im Gebiet des heutigen Deutschlands eine herausragende Blütezeit.
Nachdem der neue, in Frankreich entwickelte barocke Instrumententyp – initiiert von der Instrumentenbauerfamilie Denner in Nürnberg
– ab der Jahrhundertwende auch in Deutschland verbreitet wurde, änderte sich das Image des Instruments nachhaltig. Das Instrument der Berufsmusiker, Stadtpfeifer und Ratsmusikanten wurde neben Tasteninstrumenten, Laute und Gambe nun auch zu einem prestigeträchtigen Instrument in den Händen adeliger „Kenner und Liebhaber“. Prinzen in Braunschweig, Stuttgart und München erachteten die Blockflöte ebenso als standesgemäß wie Vertreter des gehobenen Bürgertums. Als Teil des Standardinstrumentariums sowohl von Hofkapellen wie Opernorchestern, kirchlicher und städtischer Ensembles fand die „Flûte douce“ dementsprechend Berücksichtigung im zeitgenössischen kompositorischen Wirken. Neben dem gezielten Einsatz zur Unterstreichung bestimmter Affekte in Oper und Instrumentalwerken wie z.B. Naturimpressionen, Vogelstimmen oder Traumszenen entstanden eine Reihe konzertanter und kammermusikalischer Werke mit der Blockflöte als Soloinstrument. Diese richteten sich sowohl an die neu entstandene Gruppe der „Kenner und Liebhaber“
wie auch an die wachsende Zahl herausragender Holzbläser, die in der Regel das Spiel auf der Oboe, Blockflöte und Traversflöte beherrschten.
Trotz der Verbreitung und offensichtlichen Beliebtheit des Instruments ist die Anzahl der bis heute erhaltenen Kompositionen von Komponisten aus dem deutschen Sprachraum erstaunlich klein. Wurden in den letzten Jahrzehnten umfangreiche Teile eines bislang unbekannten Repertoires barocken Musizierens für unterschiedliche Besetzungen neu erschlossen, so zählen Neuentdeckungen für die Blockflöte nach wie vor zu den Raritäten.
Diese CD vereinigt einige solcher Neuentdeckungen der letzten Jahre, die – in Kombination mit einer der bekanntesten Blockflötensonaten, Telemanns C-Dur-Sonate aus den Essercizii Musici – auch einen Querschnitt bietet durch die stilistische Vielfalt deutschen kompositorischen Schaffens im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts.
Das 2021 gegründete Ensemble Acanthus Baroque setzt sich aus der Blockflötistin Magdalena Spielmann, dem Geiger Christophe Mourault, der Cembalistin Sobin Jo und dem Cellisten Szczepan Dembiński zusammen, die sich während ihres Studiums an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und dem pôle Aliénor in Poitiers, Frankreich, kennengelernt haben. Im Zentrum ihres Interesses steht, das umfangreiche, zum Teil kaum bekannte Repertoire barocker Instrumentalmusik mit Blockflöte einem breiteren Publikum bekannt zu machen.